Kastrationschip für Hunde: Alternative zum chirurgischen Eingriff?

26. Mai 2021

Erfahre jetzt alles über den Kastrationschip für Hunde, damit du die richtige Entscheidung für deine Liebling treffen kannst!

Brauner Hund beim Tierarzt

Das Thema Kastration bei Rüden ist kein unumstrittenes Thema. Eine Kastration ist nicht nur ein chirurgischer Eingriff, sondern auch irreversibel. Wer die Wirkung einer solchen Maßnahme bei seinem Liebling erst einmal testen möchte, kann auch auf einen Kastrationschip zurückgreifen und sehen, ob diese die geeignete Option für den Hund ist.

Der Kastrationschip – Schnell erklärt

Wer die Notwendigkeit in Betracht zieht, seinen Rüden kastrieren zu müssen, der hat nicht nur den klassischen, chirurgischen Eingriff als Option. Eine andere Möglichkeit ist der Kastrationschip, auch Suprelorin-Implantat genannt. Hier handelt es sich um eine chemische Variante der Kastration deines Hundes. Der Tierarzt kann diesen Chip – ähnlich wie den Mikrochip – unter die Haut des Hundes einsetzen. Das Gute ist: Die Wirkungsweise ist – je nach Implantat – auf 6 bzw. 12 Monate begrenzt. Wer also erstmal testen möchte, wie sein Vierbeiner auf die hormonelle Veränderung einer Kastration anspringt, kann dies so tun und muss nicht gleich eine irreversible Maßnahme vornehmen lassen.

So verläuft die Behandlung

Bei der Kastration per Chip wird ein chemischer Prozess in Gang gebracht. Um diesen zu starten wird mittels einer Kanüle das Suprelorin-Implantat im Nackenbereich unter der Haut platziert. Ein Vorgang ähnlich dem beim Chippen. Für den Hund ist die Prozedur nicht übermäßig schmerzhaft, er wird keine Narkose benötigen. Ab dann stößt das Implantat fortwährend kleinere Mengen des Wirkstoffes Deslorelin aus. So lange der Wirkstoff vorhanden ist und ausgestoßen wird, ist der Rüde zeugungsunfähig.

Darstellung der Wirkung von einem Kastrationschip beim Hund nach einer Operation

Achtung: Wenn der Wirkstoff aufgebraucht ist, erlangt dein Hund die Fruchtbarkeit langsam zurück.

Kommst du dann zu dem Entschluss, dass dein Hund weiter zeugungsunfähig bleiben soll, du jedoch nach wie vor keinen chirurgischen Eingriff wünschst, dann kannst du nachchippen. Dies ist beliebig oft möglich. Nachdem der Kastrationschip seine Wirkung verloren hat, muss er nicht wieder entfernt werden. Das Implantat baut sich im Körper des Hundes selbstständig ab. Auch wenn ein Hund durch eine Kastration nicht zum braven Wunsch-Wauwau wird, das Wesen des Tieres verändert sich schon.

Gut zu wissen: Nach etwa der doppelten Zeit der Wirkungsdauer sollte sich der Chip vollständig aufgelöst haben.

Auch zu Nebenwirkungen kann es kommen. Dies liegt daran, dass sich beim Hund hormonell einiges verändert, was z.B. dazu führen kann, dass ein vorher sehr aktiver Rumtreiber etwas träge wird. Die Fresslust kann auch gesteigert werden, was im Zusammenhang mit einer geringeren Aktivität zur Gewichtszunahme führen kann. Finde jetzt ganz einfach mit dem BMI-Rechner heraus, ob dein Hund zu dick ist oder nicht! Selbst gesteigerte Aggression ist eine potentielle Nebenwirkung. Hier ist es sehr wichtig, sich im Vorfeld ausführlich von einem Arzt über Risiken und Bedenken beraten zu lassen, bevor gehandelt wird.

Kastrationschip als charakterbildende Maßnahme?

Viele Hundehalter gehen fälschlicherweise von der Annahme aus, dass eine Kastration eine positive Auswirkung auf gewisse Verhaltensweisen hat. Jedoch werden

  • Neigungen zum Ungehorsam
  • eine ausgeprägte territoriale Aggression oder
  • Futterneid

durch eine Kastration generell nicht beeinflusst, also auch nicht von einem Kastrationschip. Diese sind einige von vielen Mythen über die Kastration bei Hunden. Hier sollten keine falschen Erwartungen gestellt werden. Auch sollte der Wunsch nach einem pflegeleichteren Vierbeiner nicht zu der Entscheidung führen, diesen kastrieren zu lassen. Kastration ist kein Ersatz für ein Hundetraining. Dein Hund sollte auf jeden Fall trotzdem alle wichtigen Hundekommandos erlernen, wie zum Beispiel an der Leine zu gehen oder kein Essen vom Tisch zu erbetteln oder zu stehlen.

Wer Probleme mit dem Gehorsam oder dem ausgeprägten Jagdtrieb seines Hundes hat, kann dieses Problem mittels eines GPS Trackers in den Griff bekommen. Somit weiß man immer, wo der kleine Rumtreiber gerade steckt und muss den Vierbeiner nicht unbedingt mit einer Kastration belasten.

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Nebenwirkungen des Suprelorin-Implantats bei Hunden

Neben den beabsichtigten Auswirkungen wie niedrigerem Testosteronspiegel, verminderter Libido, geringerer Spermienproduktion und vorübergehender Zeugungsunfähigkeit können auch die folgenden möglichen Nebenwirkungen von Suprelorin bei Hunden auftreten:

  • Schwellung an der Stelle, wo das Implantat eingesetzt wurde
  • Lokale Entzündung oder Verhärtung
  • Kleinere Hoden
  • Veränderung der Fressgewohnheiten und des Aktivitätslevels
  • Fellveränderungen

Suprelorin ist vom Ausschuss für Tierarzneimittel (CVMP) zugelassen. Dieser kam zu dem Schluss, dass die Vorteile eines Implantats die negativen Nebenwirkungen aufwiegen.²

Nach einer Kastration verbrauchen Hunde normalerweise weniger Kalorien, da ihr Aktivitätsniveau sinkt. Deshalb ist es ratsam, auf eine mögliche Gewichtszunahme deines kastrierten Rüdens zu achten. Um zu gewährleisten, dass sich dein Hund nach der Kastration genügend bewegt, kannst du dir einen GPS- und Aktivitätstracker für deinen Hund besorgen. Damit kannst du die Aktivität deines Hundes im Blick behalten und sehen, ob er genügend Aktivitäts- und Ruhephasen hat sowie den Kalorienverbrauch messen. Du kannst sogar tägliche Aktivitätsziele setzen!

Die wichtigsten Vor- und Nachteile des Kastrationschips auf einen Blick

Vorteile:

  • Vorübergehende Maßnahme
  • Geringe Kosten
  • Kein schwerer Eingriff
  • Keine Narkose notwendig
  • Deutlich verringertes unerwünschtes Sexualverhalten

Nachteile:

  • Permanente hormonelle Veränderungen
  • Fellveränderungen können eintreten
  • Unerwünschte Nebenwirkungen möglich
  • Wirkungsdauer kann nicht exakt bestimmt werden

Darüber hinaus kamen Studien zu dem Schluss, dass kastrierte Hunde im Gegensatz zu ihren unkastrierten Kollegen durchschnittlich um 14% länger leben3.

Chip oder Chirurg – Was spricht wofür?

Der Kastrationschip kann zwar beliebig oft nachgechippt werden, jedoch ist davon abzuraten. Das Implantat sorgt für eine permanente hormonelle Veränderung, was auf Dauer problematisch sein kann. Daher sollte die chemische Kastration mehr als Testlauf und Entscheidungshelfer gesehen werden, statt als Dauerlösung. Falls die Zeit mit dem Kastrationschip den Erwartungen entspricht und du dich für eine Kastration entscheidest, sollte ein chirurgischer Eingriff erfolgen. Bevor man diesen durchführt lohnt es sich jedoch erstmal mit dem Implantat die Wirkung einer Kastration zu testen.

Falls du noch nach weiteren Informationen zum Kastrationschip für Hunde suchst, sieh dir das folgende Video an!


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